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29. August 2006, Neue Zürcher Zeitung Wort zum Sport: CSI SchaffhausenFerien-Rückkehrer von der Costa Calida und anderen ausländischen Brutöfen atmen seit Wochen auf: Sanddünen türmen sich keine auf vor der eigenen Garageneinfahrt; das Wüstenklima konnte von den daheim gebliebenen Eidgenossen gestoppt werden, die rechtzeitig zum 1. August wieder das helvetische Sauwetter hissten und so das Grundrecht auf einen Nationalfeiertag mit Kalbsbratwurst vom Grill reinstallierten. Regen macht nicht nur alles und alle schön, er erfordert auch Anpassungen im Freizeitsport-Programm. Am vergangenen Wochenende blieben ironischerweise nicht mal die Wasserratten davon verschont: Sowohl das Limmatschwimmen am Samstag als auch die Zolliker Seeüberquerung am Sonntag wurden abgesagt, weil der viele Regen die mediterranen Badetemperaturen vom Juli zu einer Fata Morgana verwaschen hat. Schade, hatten sich doch Tausende auf eine Erfrischung in garantiert quellfrischem und quallenfreiem Gewässer gefreut. Hobbysportler zu bevormunden, ist jedoch nicht mehr zeitgemäss. Alles ist eine Frage der Vorbereitung, und die kann jeder Freizeitsportler dank Schilderungen der gängigen Praxis in den Medien so professionell wie Profis gestalten: mit EPO gespritzter Hagenbuttentee, mit Kortison angereichertes Melchfett, im Testosteron-Mantel gebackenes Filet Wellington, mit Schwangerschaftshormonen gesüsstes Konfekt - alles vergeblich getrunken, eingerieben, einverleibt und genascht im Falle der Open-Water-Schwimmer. Immerhin führte der Landis-Cocktail (vier Bier, zwei Whisky) zu einer Nacht voller Sieg-Träume und bekommt dank den Absagen die zuckerkranke Tante das geklaute Insulin zurück - vorausgesetzt, die Neffen und Nichten tobten sich nicht auf dem Rennrad aus: Das 2. Bergzeitfahren Buchenegg-Ostwand fand am Sonntag statt, das siegreiche Team Chettehünd behauptete in Profi-Manier, den Landis-Cocktail erst post festum injiziert zu haben, dafür in doppelter Ration. Die Vermutung, dass Sofa-Sportler am gesündesten leben, scheint unter diesen Umständen nicht mehr weit hergeholt. Das Sportprogramm des Schweizer Fernsehens übers vergangene Wochenende bot so viel Abwechslung, dass es ganz ohne gesalzene oder gedealte Aufputschmittel durchzustehen war. Im Mittelpunkt stand ein weiterer Ableger der Erfolgsserie «Crime Scene Investigation»: «CSI Schaffhausen» - mit Herz- statt richtigem Blut. Am Samstagabend wurde im Fussball-Talk («Presse-TV» auf SF 2) über die Heimschwäche des FC Schaffhausen diskutiert. Seit einem Jahr hat die Seeberger-Equipe im Stadion Breite weder Seen geteilt noch Berge versetzt, und das, obwohl das Team in einer Verzweiflungstat auch schon mit dem Bus wie zu einem (in der Regel erfolgreicheren) Auswärtsspiel angereist ist und der Präsident doppelte Punkteprämien versprochen hat. Ein in der Talk-Runde anwesender Sportpsychologe entlarvte derartige Massnahmen als störende und billige Motivationstricks. Interessant war auch der Hinweis auf die Konkurrenzsituation in Schaffhausen: Nummer 1 und Krösus bezüglich Sponsoring sind in der Munot-Stadt nämlich die Kadetten-Handballer. Im «Sportpanorama» auf SF 1 am Sonntag wurde der Tatort Schaffhausen weiter untersucht. Im Klein-Kanton gibt es eine weitere verschwörerische Mini-Zelle von Eigenbrötlern, die den Fussballern den Zuspruch der rund 75 000 Schaffhauser streitig macht: die Korbballer des TV Unterer Reiat. Ihr Vorteil: Den Ausdruck Heimschwäche führen die Korbballer nicht im Vokabular, und in der Tabelle sind sie in oberen Regionen zu finden, wahrscheinlich dank selbst angebautem Kraftfutter. Mit Beiträgen übers Hornussen (Bern) und Ringen im Sägemehl (Innerschweiz) wendete sich SF 1 dann wieder dem föderalistischen Konzessionsauftrag zu. Schade, denn der Schaffhauser Spezialfall hätte noch weiter ausgeschlachtet werden können, stellte der Kanton doch kürzlich auch im Tischtennis und im Wasserball Swiss Champions. Es ist aber zu befürchten, dass die Fussballer ein weiteres Jahr sämtliche Bälle verstolperten, käme die ganze Wahrheit über das Stärkeverhältnis im Kanton auf den Tisch bzw. den Bildschirm. Und das ist im Vorfeld des Heimspiels am Samstag gegen YB nicht erwünscht. YB? Der letzte Gegner, der in Schaffhausen Schiffbruch erlitt. «CSI Schaffhausen» also bleibt spannend. Fortsetzung am nächsten verregneten Wochenende. Wer dann noch in den Ferien weilt, ist bestimmt nicht wasserdicht. Christoph Fisch |
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Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: http://www.nzz.ch/2006/08/29/sp/articleEF960.html |
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